Pflege

Der MDK kommt

Habt Sie einen Pflegegrad oder ein Hilfsmittel beantragt, wird sich auch der MDK (Medizinische Dienst der Krankenkassen) bei Ihnen ankündigen. Dieser prüft, wie viel Hilfebedarf bei Ihnen besteht oder ob Sie das Hilfsmittel wirklich brauchen. Wichtig hierbei ist: Der MDK wird versuchen zu argumentieren, dass ein Hilfsmittel nicht nötig ist oder ein geringer Pflegegrad ausreicht. Sie hingegen müssen Argumente finden, dass Sie dass Hilfsmittel wirklich brauchen und ein gewisser Hilfebedarf besteht. Daher ist beim MDK immer wichtig, dass Sie nichts herunterspielen. Eine viel verwendete aber fatale Aussage ist beispielsweise: "Bei der Handlung X habe ich große Probleme. Aber irgendwie bekomme ich das immer hin - wenn auch manchmal nur mit Hilfe und unter großen Schmerzen." Natürlich sind die Betroffenen stolz darauf, eine Handlung noch selbst oder mit Hilfestellung ausführen zu können. Dieser Stolz ist hier jedoch völlig fehl am Platz, denn für den MDK bedeutet dies nur, dass sie es schaffen. Seien Sie daher ehrlich zu sich selbst. Der Gutachter will wissen, was Sie noch können. Sie müssen ihm klar machen, was Sie nicht mehr können.

Gutachter gibt es solche und solche, wie in anderen Dienstleitungsbereichen auch. Viele sind sehr nett und wollen Ihnen helfen. Manchmal jedoch gibt es Gutachter, die versuchen regelrecht auszutesten, was sie noch können und sind dabei sehr einfallsreich, wie unsere Erfahrung zeigt. So fällt dem Gutachter beispielsweise "zufällig" der Stift herunter. Sie sind zuvorkommend und heben diesen auf, auch wenn es Ihnen große Mühe und Schmerzen bereitet. Oder er bittet Sie, ihm ein Glas Wasser zu reichen oder Ihren Pullover auszuziehen. Wenn Sie dies schaffen, aber Probleme mit Knöpfen eines Hemds haben, können Sie diese Handlung aus Sicht des Gutachters selbst ausführen. Besonders wenn Sie das erste Mal mit dem MDK zu tun haben, empfiehlt es sich daher, diesen Besuch wie ein Rollenspiel zu üben und sich gut darauf vorzubereiten.

Zudem sollten Sie sich schon vor dem Besuch Fragen notieren, welche Sie an den Gutachter haben. In der Aufregung wird schnell etwas vergessen. Fragen im nachhinein noch zzu klären, ist meist schwierig und auch nicht nötig, wenn man gut vorbereitet ist.

Das Pflegetagebuch

Der Gutachter des MDK kann bei der Begutachtung nur einschätzen, wie hoch der Hilfebedarf wirklich ist. Diese Einschätzungen gehen nicht selten am tatsächlichen Hilfebedarf vorbei. Daher ist es ratsam, vor dem Begutachtungstermin 5-10 Tage ein Pflegetagebuch zu führen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Pflegebedürftigkeit erstmalig überprüft wird.

Das Pflegetagebuch soll dazu dienen, dass man selbst die erbrachten Pflegeleistungen deutlich zum Ausdruck bringen kann. Es ist zwar mit etwas Arbeit verbunden, aber dennoch sinnvoll, schon um für sich selbst eine klare Erfassung der Zeiten zu haben. Welche Tätigkeiten fallen wie oft an, und wie lange dauern sie? Sehr schnell wird eine der kleinen, selbstverständlichen Hilfestellungen übersehen. Man nimmt sie kaum noch wahr, aber sie sind für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und für die Einstufung enorm wichtig. Ein Pflegetagebuch erleichtert es für sich selbst, aber natürlich auch für den Gutachter, ein genaueres Bild davon zu haben, wie viel Zeit man tatsächlich jeden Tag aufwendet. Man kann so ein deutlicheres Bild der eigenen Situation bekommen - und so auch der Gutachter.

Das Pflegetagebuch gibt dem Gutachter einen ersten Einblick in Ihren Pflegealltag. Dies bedeutet allerdings nicht, dass er sich an diese Zeiten halten muss und diese genau so einschätzt. Warten Sie auch nicht darauf, bis der Gutachter Sie danach fragt. Legen Sie es ihm am besten schon vorher hin. So kann es auch nicht vergessen werden. Das Pflegetagebuch ist zudem hilfreich, sollte man in den Widerspruch gehen oder gar klagen müssen. Rechtsanwälte sind hierfür immer sehr dankbar. 

Hier gelangen Sie zum Pflegetagebuch. Scheuen Sie nicht davor uns zu kontaktieren, sollten Sie Fragen haben.